Im 11. und 12. Jahrhundert nannten sie sich Grafen von Achalm und Urach. Sie besaßen die Grafschaft in den Gauen Pfullichau und Schickerstal (heutiges Württemberg) und waren reich begütert. Noch heute stehen in herrlicher Lage die malerischen Ruinen der Burg Hohenurach, eines der ältesten Sitze des Hauses.
Seit 1250 nannten sie sich nach der Burg Fürstenberg bei Donaueschingen, Grafen von Fürstenberg.
Graf Friedrich V. von Fürstenberg (1563-1617), der älteste Sohn des Grafen Joachim, des Begründers der Heiligenberger Linie, vermählte sich nach dem Ableben seiner ersten Gemahlin Gräfin Elisabeth von Sulz in zweiter Ehe im Jahre 1606 mit Maria Anna, Gräfin von Arco. Sie war die kinderlose Witwe des Wolf Siegmund Rumpf, Freiherr vom Wiehlroß (1537-1605).
Wolf Siegmund Rumpf war Inhaber der Herrschaft Weitra im Waldviertel und hatte durch sein Testament seine Gattin zur Alleinerbin dieser Herrschaft eingesetzt. Maria Anna Gräfin von Arco wiederum schenkte am 28. August 1607 ihr Erbe (Schloß, Stadt und Herrschaft Weitra) ihrem zweiten Gemahl, dem Grafen Friedrich von Fürstenberg.
Im September 1607 verstarb Gräfin Maria Anna in Weitra. Graf Friedrich starb im August 1617, erst 54-jährig, am kurfürstlichen Hof zu Dresden. Somit ging die Herrschaft Weitra an seine Söhne aus erster Ehe, die Grafen Wilhelm, Egon VIII. und Jakob-Ludwig von Fürstenberg über, von denen die beiden Erstgenannten bedeutende Heerführer im Dreißigjährigen Krieg waren.
Seit dieser Zeit ist Schloss und Gut Weitra im Besitz des im Jahre 1664 in den Reichsfürstenstand erhobenen Hauses Fürstenberg. Als „Landgräfliche Linie Fürstenberg-Weitra“ ging sie aus der Gründung einer Subsidiallinie durch den Fürsten Joseph Wilhelm Ernst im Jahre 1755 hervor.
Schon Wolf Rumpf Freiherr vom Wiehlroß hatte seit 1590 eine großzügige Umgestaltung und dem damaligen Zeitgeist entsprechende Modernisierung und Vergrößerung der Burg und der Wirtschaftsgebäude vornehmen lassen. Das neue Schloß wurde um einen großen rechteckigen Innenhof gebaut, wobei die beiden Schmalseiten der Schlossflügel dreigeschossige Arkaden erhielten.
Die Bauarbeiten zogen sich bis zum Jahre 1606 hin. Zum Teil wurde dabei auf die Fundamente der alten Kuenringerburg gebaut. Nach den Bränden in den Jahren 1747 und 1757 wurden auf den Dächern der Schmalseiten barocke Volutengiebel angebracht.
Schon im 18. Jahrhundert befand sich im Schloss ein Theater. 1885 wurde es unter Landgraf Eduard Egon Landgraf zu Füstenberg nach Plänen von A. Führer erweitert und historisierend im Rokokostil umgebaut.
Schloss und Herrschaft hatten schwer unter den Auswirkungen des 2. Weltkriegs zu leiden. Die völlige Devastierung des Schlosses kurz nach Kriegsende durch sowjetische Besatzungs-truppen stellt einen absoluten Tiefpunkt dar.
Mit beträchtlichem finanziellen Aufwand konnte das Schloss vor dem Verfall gerettet werden.
Neue Impulse
Die Niederösterreichische Landesausstellung 1994 „Die Fürstenberger, 800 Jahre Herrschaft und Kultur in Mitteleuropa“ setzte neue Impulse auf Schloss Weitra.
1995 wurden in enger Zusammenarbeit mit dem „Kulturverein Schloss Weitra“ zwei Dauerausstellungen eröffnet. Das Brauereimuseum thematisiert die Kunst des Bierbrauens und im Schlossmuseum wird die wechselvolle Geschichte der alten Stadt Weitra im Zusammenhang mit der Geschichte der Herrschaft der Fürstenberger, und seiner Bewohner an der harten „Nordgrenze“ unseres Landes präsentiert.
Aber auch der Charakter dieser Grenze hat sich verändert. Ein unrühmliches Kapitel jüngster europäischer Zeitgeschichte ist zu Ende. Der Eiserne Vorhang, der Europa für Jahrzehnte in zwei Welten teilte ist nun endgütig Geschichte. Schloss Weitra trägt diesem Umstand Rechnung und beherbergt seit Juni 2003 das „Demokratieforum Schloss Weitra“. Hier wird nicht nur die Geschichte von der Teilung Europas erzählt, sondern es werden vor allem die Werte der Demokratie und die Chancen im neuen erweiterten Europa vermittelt.